Tourismus-News
10. Oktober 2011

Addio Pizzo - mafiafreier Urlaub auf Sizilien

Addio Pizzo - mafiafreier Urlaub auf Sizilien

Der Tourismus ist eine der wichtigsten Haupteinnahmequellen in Sizilien. Viele Urlauber wissen nicht, dass die Mafia vom Tourismusgeschäft ebenfalls profitiert. Mittels Schutzgelderpressungen und Geldwäsche beteiligt sich die Mafia am allgemeinen Gewinn. Doch inzwischen regt sich immer mehr Widerstand aus der Bevölkerung. “Addio Pizzo - Schutzgeld, ade” heißt die Antimafia-Initiative aus der die gleichnamige Reiseagentur für mafiafreie Reisen und Produkte hervorgegangen ist.

Mafia, - das ist etwas, über das man in Sizilien nicht spricht, aber das man überall spüren kann. In Sizilien regiert nicht der Staat, sondern die Mafia. Wer es hier zu etwas bringen will, ohne die Fürsprache der Mafiabosse, hat es schwer. Auch das Tourismusgeschäft wird von der Mafia weitgehend beeinflusst.

Wer denkt schon im Urlaub auf Sizilien daran, dass er bei einem Besuch im Restaurant oder einer Pizzeria damit indirekt die dunklen Geschäfte der Mafia unterstützt? Oder das er gerade in einem Hotel eines Mafiabosses eingecheckt hat, dass der Geldwäsche dient?

Noch immer zahlen die meisten Hotelbesitzer, Restaurants und Geschäftsleute in Sizilien aus Angst Schutzgelder an die Mafia. Diese zusätzlichen Kosten werden dann indirekt auf die Gäste und Käufer abgewälzt. Es geht hierbei jedoch nicht nur um die Beträge, sondern mittels der Schutzgelderpressungen werden wertvolle Investitionen und ein Wirtschaftswachstum in Sizilien verhindert. Auch mit der Übernachtung oder dem Besuch in einem von der Mafia geführten Hotel oder Restaurant, helfen viele Touristen unwissentlich das Geld der Mafia aus Drogengeschäften und illegalem Waffenhandel zu waschen.

Trotz dieser bisherigen düsteren Gegebenheiten, gibt es in Sizilien inzwischen Anlass zur Hoffnung auf Veränderung.

Im Jahr 2004 gründete eine Gruppe junger Studenten in Palermo die Anti-Pizzo Bewegung. Sie wollten nach dem Studium eine Kneipe in ihrer Heimatstadt eröffnen, mit dem Entschluss an die Mafia kein Schutzgeld bezahlen zu wollen. In einer abenteuerlichen nächtlichen Aktion befestigten Sie in ganz Palermo an Hunderten von Hauswänden, Ampeln und Büroeingängen, weiße Zettel auf denen zu lesen stand: “Ein Volk, das Schutzgeld zahlt, ist ein Volk ohne Würde”. Immer mehr Sizilianer sprachen auf diese Nachricht an und begannen die Bewegung zu unterstützen. Die Zahl der Schutzgeldverweigerer wächst von Tag zu Tag stetig und sie werden dabei von den Konsumenten unterstützt. Die Menschen schauen nicht mehr weg und bilden Bürgerbewegungen. Sie haben erkannt, dass sie der Mafia den öffentlichen Raum streitig machen können. Dazu kommt die weltweite öffentliche Aufmerksamkeit. Die Mafia kann nicht mehr wie früher einzelne Ladenbesitzer einfach umbringen, da die Resonanz der Öffentlichkeit gewaltig wäre.

In Palermo, Trapani, Messina und Catania, und anderen größeren Zentren, sind Addio Pizzo-Bewegungen entstanden. Heute gibt es eine ständig wachsende Liste von Addio Pizzo Unternehmen in Palermo. Mehr als 500 Addio Pizzo Mitglieder in Palermo bieten der Mafia inzwischen die Stirn, erkennbar an dem „Addio Pizzo” Label, ein X in einem orangefarbenen Kreis mit dem Schriftzug Addio Pizzo. Unternehmer, die ihre Schutzgelderpresser anzeigen wollen, bekommen bei “Addio Pizzo” kompetente Ansprechpartner sowie eine professionelle Betreuung.

Dank dem Mut einiger Ladenbesitzer und Unternehmen sind etliche Gangster und ihre Bosse inzwischen verhaftet und verurteilt worden. Auch Italiens Innenminister Roberto Maroni unterstützt tatkräftig die Aktivisten. Er ließ Güter der Mafia enteignen und mit Mitteln der Europäischen Union in Genossenschaften umwandeln. In den von der Mafia konfiszierten Häusern sitzen nun Agritourismo-Betriebe, die Übernachtungen anbieten. Und auf den ehemaligen Feldern der Cosa Nostra wachsen landwirtschaftlichen Produkte, die die Urlauber erwerben können.

Da der Tourismus ein wirkungsvolles Mittel gegen die Mafia ist, gibt es sogar von „Addio Pizzo Travel“ seit kurzem mafiafreie Reisen. Sie bietet deutschsprachige Touren durch Palermo, inklusiver Besichtigung klassischer Sehenswürdigkeiten und Pizzo-freien Betrieben mit landestypischen Spezialitäten. Highlight sind die Orte sizilianischer Mafiageschichte. Erleben Sie Führungen zu ehemaligen Häusern und Verstecken der einstigen Mafia-Bosse.

Die Tour: dauert 7 Tage und startet von Palermo aus mit Halt in Mondello, Cinisi, Capaci, Monreale, Cefalù, Caccamo und Corleone. Weitere Touren sind durch Nordwestsizilien geplant. Auf Anfrage sind auch individuelle Reiserouten möglich.

Als Sizilientouristen haben Sie nun die Möglichkeit, ihren gesamten Aufenthalt, so einzurichten, dass ihr Geld ausschließlich in die Kassen jener Einheimischen fließt, die sich gegen das Schutzgeld wehren. Auch die deutsche Botschaft sowie deutsche Tourismusbüros unterstützen die Addio Pizzo-Bewegung mit der kostenlosen “Pizzo-free-touristmap” die von einem Komitee des Vereins stetig kontrolliert und aktualisiert wird.

Infos zu Addio Pizzo gibt es unter: www.addiopizzo.org und zu Addio Pizzo Travel www.addiopizzotravel.it

Hier können Sie auch einen Stadtplan von Palermo herunterladen, auf dem alle Restaurants, Hotels und Läden verzeichnet sind, die sich gegen die Cosa Nostra verbündet haben.

Praivit Luxusreisen bietet in seinem Programm ebenfalls Sizilien als Destination an. Attraktive Angebote gibt es zurzeit für das traumhafte Städtchen Taormina.

Schauen Sie mal vorbei unter:

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